Taifun Haiyan und der Klimawandel

Im November 2013 traf ein zerstörerischer Taifun die Philippinen und tötete mehr als 10.000 Menschen. Wissenschaftler nehmen an, dass sich Extremwetterereignisse durch den Klimawandel verstärken. Die Frage, die ich hier beantworten möchte ist, ob der Taifun Haiyan direkt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden kann. Zusätzlich möchte ich auf die weltpolitischen Reaktionen auf dieses Ereignis eingehen. Zum Schluss werde ich darauf eingehen, was die Filipinos am meisten brauchen, um langfristig sicher zu sein.

 

Der Schaden durch Taifun Haiyan

Die Zerstörungskraft von Taifun Haiyan war enorm. Es war der stärkste tropische Zyklon, der jemals an Land gegangen ist. Davor war es Hurrikan Camille, welcher im Jahre 1969 stattfand. Durch Haiyan mussten über 300.000 Menschen in Schutzunterkünfte evakuiert werden und über 11,8 Mio. Menschen waren insgesamt betroffen. Die meisten von ihnen sind stark von der Landwirtschaft abhängig, aber die Infrastruktur und die Hilfsmittel wurden zerstört, weshalb die Menschen stark gefährdet sind. Auch Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen, an denen der Taifun vorbei zog, wurden zerstört. Selbst die Wasserversorgung und die sanitären Einrichtungen funktionierten nicht, was zu Durchfall-Erkrankungen führen kann.

 

Der Zusammenhang mit dem Klimawandel

Im Folgenden werde ich versuchen, die Frage zu beantworten, ob Taifun Haiyan direkt mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen ist. Erst einmal ist zu nennen, dass das Klimasystem sehr komplex ist und es nicht einfach ist, einzelne Ereignisse auf den Klimawandel zurückzuführen. Aber gerade dafür gibt es zunehmende Beweise. Meteorologen von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) sagen, dass schwache Windscherung und hohe Meerestemperaturen zu einer Intensivierung von Haiyan geführt haben. Und es ist breiter Konsens, dass steigende Meerestemperaturen eine Folge des anthropogenen Klimawandels sind. Folglich wären Taifune wie Haiyan ohne den Klimawandel sehr unwahrscheinlich gewesen.

 

Die Philippinen in den globalen Klimaverhandlungen

Auch bevor der Taifun Haiyan stattfand, waren die Philippinen stark gefährdet. Die NGO Germanwatch hat den sogenannten „Klima-Risiko-Index“ entwickelt, welcher verschiedene Länder in Bezug auf ihre Todesraten, Schäden und finanzielle Verluste durch Extremwetterereignisse vergleicht. Die Philippinen gehören zu den Ländern, die am stärksten gefährdet sind, obwohl Haiyan noch nicht mit einbezogen war. Im Jahr 2012 waren sie auf Rang 2 und im Langzeitindex auf Rang 7. Es ist also verständlich, warum ein Land wie die Philippinen von der Weltgemeinschaft fordert, aktiv gegen den Klimawandel vorzugehen. Sp appellierte ein Delegierter von den Philippinen für den globalen Klimaschutz, als er kurz nach dem Taifun auf der Weltklimakonferenz in Warschau das Wort hatte. Um seine Forderungen zu untermauern, trat er in einen Hungerstreik, der bis zum Ende der Verhandlungen anhalten sollte. Ein globales verbindliches Abkommen wurde zwar auf Ende 2015 verschoben, aber  dennoch hatten die Verhandlungen einige wichtige Erfolge zu vermelden.  

 

Was die Filipinos wirklich brauchen

Nach dem Taifun waren die größten Nöte der Filipinos die Lebensmittelversorgung, die sanitäre Versorgung und der Wiederaufbau der Unterkünfte. Die humanitäre Hilfe ist nach Katastrophen von größter Bedeutung. Zwar ist die Spendenbereitschaft oft groß, wenn in den Medien über die Katastrophe berichtet wird, das ebbt aber leider sehr schnell wieder ab. Wenn man den Menschen wirklich helfen möchte, ist eine längerfristige Hilfe viel wirkungsvoller. Eigentlich bräuchten die Filipinos und auch der Rest der Welt dauerhaft die moderaten Klimabedingungen, die wir in den letzten 10.000 Jahren vor der Industrialisierung auf der Erde hatten. Denn unter den aktuellen Entwicklungen sind die Landwirtschaft und die menschliche Unversehrtheit massiv vom Klimawandel gefährdet. Hunderte Wissenschaftler, die am fünften Sachstandsbericht des IPCC gearbeitet haben, sind sich einig, dass der Klimawandel seit Beginn der Industrialisierung maßgeblich vom Menschen verursacht ist. Sie geben dafür eine Wahrscheinlichkeit von 95-99 Prozent an. Folglich können die Menschen auch die Globale Erwärmung bis auf einen Level von unter zwei Grad im Verhältnis zu 1990 begrenzen. Aber auch wenn dieses Ziel verfehlt wird, sollte Klimaschutz ein Hauptaugenmerk bleiben, denn es lassen sich auch dann noch schlimmere Klimafolgen vermeiden. So gibt es verschiedene Kipppunkte im Klimasystem, ab welchen zum Teil irreversible Prozesse in Gang gesetzt werden, welche die Prozesse verschärfen. Diese Kipppunkte werden bei unterschiedlichen globalen Temperaturanstiegen erwartet. Je stärker die Globale Erwärmung, desto mehr Kipppunkte werden wahrscheinlich überschritten. Es sollten also möglichst effektive Klimaschutzmaßnahmen so früh wie möglich umgesetzt werden. Speziell die Industrieländer, welche den größten Beitrag zum Klimawandel geleistet haben, sollten die schärfsten Maßnahmen ergreifen. Es müssen aber auch falsche Entwicklungspfade in den Entwicklungs- und Schwellenländern vermieden werden. Effektive Maßnahmen sind beispielsweise die Stilllegung von Kohlekraftwerken, der Einsatz von alternativen Antrieben bei Fahrzeugen und die energetische Sanierung von Gebäuden. Zudem sollten Flugzeuge nur marginal zum Einsatz kommen und die Abholzung von Wäldern unterbunden werden. Auch in der Ernährung und im Konsumverhalten liegen große Einsparpotenziale.


Schlussfolgernd kann man sagen, dass Klimaschutz enorm wichtig ist und dass es zu lange dauert, auf ein global verbindliches Abkommen zu warten und dass ein Großteil der Umsetzung hinterher bei jedem Einzelnen liegt und nicht nur bei den Regierungen. Es gibt bereits zahlreiche gute Maßnahmen, auf die gebaut werden kann. Beispielsweise die deutsche Energiewende und Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in Kalifornien.  Aber es braucht viel mehr Leute, die diese Ansätze unterstützen. Auch um die zukünftigen Schäden auf den Philippinen einzugrenzen.

 

Literatur:

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Lenton, T.M., Held, H., Kriegler, E., Hall, J.W., Lucht, W., Rahmstorf, S. and H.J. Schellnhuber (2008): Tipping elements in the earth´s climate system. In: PNAS Vol. 105, No. 6, pp. 1786-1793.

 

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Bonn, Januar 2014