Hitzewellen und der Klimawandel

Durch den Klimawandel treten Hitzewellen häufiger auf, sie werden intensiver und sie dauern länger. Nicht zuletzt die Mega-Hitzewellen in Europa 2003, durch welche zwischen 20.000 und 70.000 Menschen gestorben sind, und die Hitzewelle 2010 über Osteuropa und Russland, sondern auch zahlreiche "kleinere" Hitzewellen haben gezeigt, dass wir schlecht auf Hitzewellen vorbereitet sind. Zwar wurde nach der Hitzewelle 2003 ein Hitzewarnsystem in Deutschland eingeführt und im Falle einer Hitzewelle werden weitere Vorsorgemaßnahmen getroffen, aber die Frage ist, ob das auch bei der Bevölkerung ankommt und diese sich ausreichend schützt bzw. durch stadtplanerische und gesundheitliche Maßnahmen  geschützt wird. Dieses Jahr gab es schon eine starke Hitzewelle in Indien, bei welcher 2.000 Menschen gestorben sind und auch eine starke Hitzewelle in Bangladesh, bei welcher über 1.000 Menschen gestorben sind. Aktuell (Anfang Juli 2015) erleben wir in Deutschland eine Hitzewelle, bei welcher an einigen aufeinanderfolgenden Tagen die Tagestemperaturen zwischen 30 und über 37°C betragen und die Nächte als Tropische Nächte gelten.


 

 

Wie wird eine Hitzewelle definiert?

 

Es gibt keine allgemein gültige Definition, was eine Hitzewelle ist. In Deutschland spricht man von einer Hitzewelle, wenn an mindestens drei aufeinander folgenden Tagen Höchsttemperturen von 30°C oder mehr erreicht werden. Das vernachlässigt aber die unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten. So versteht die WMO unter einer Hitzewelle, dass an mindestens fünf zusammenhängenden Tagen die Tageshöchstwerte mehr als 5°C über den Tageshöchsttemperaturen der Referenzperiode 1961-1990 liegen . Ein oft genannter Faktor ist auch, dass es bei Hitzewellen nachts nichts richtig abkühlt und es am nächsten Tag möglicherweise sogar umso heißer wird.

 

 

Hitzewellen und die menschliche Gesundheit

 

Bei Hitzewellen werden meist deutlich mehr Menschen in die Notaufnahmen eingewiesen, als normalerweise. Denn Dehydrierung, Sonnenstich und Hitzschlag sind häufige Nebenwirkungen von Hitzewellen. Steigen die Temperaturen über 37°C wird zudem die körpereigene Temperatur überschritten und der Körper kann durch Abstrahlung keine Wärme mehr an seine Umgebung abgeben. Todesfälle gibt es vor allem in der älteren Bevölkerung und auch bei chronisch Kranken, sozial Isolierten und Kleinkindern. Bei der diesjährigen Hitzewelle in Indien sind auch sehr viele Obdachlose, Taxifahrer und Bauarbeiter gestorben, da diese sich im Freien aufhalten.1

 

 

Was können weitere Folgen von Hitzewellen sein?

 

Bei Hitzewellen ist nicht nur die menschliche Gesundheit gefährdet, sondern auch Tiere, Pflanzen, die Infrastruktur und die Wirtschaft können stark beeinträchtigt werden. So sind bei der Hitzewelle 2003 in Hähnchenmastanlagen sehr viele Tiere verendet und auch zahlreiche Haustiere sind gestorben. Wenn Pflanzen und Böden austrocknen, kann das nicht nur negativ für den Ernteertrag und die Natur sein, sondern diese werden auch zur CO2-Quelle. Außerdem können sich Straßen stark deformieren und Schienen ausdehnen, was ein Risko für die Verkehrssicherheit sein kann. Wenn Flüsse weniger Wasser führen, steigt nicht nur die Schadstoffkonzentration, sondern auch die Kühlung von Kohle- und Atomkraftwerken kann gefährdet sein, was unter anderem zu Stromengpässen führen kann. Das gilt auch für Wasserkraftwerke, welche bei Niedrigwasser weniger Strom produzieren können. Werden Atomkraftwerke nicht mehr gekühlt, kann das aber viel schlimmere Folgen haben.

 

Wie können wir uns auf Hitzewellen vorbereiten und uns daran anpassen?

 

Gerade in Großstädten und Ballungsräumen, wo der Effekt der städtischen Wärmeinsel hinzukommt, kann es bei Hitzewellen sehr gefährlich werden. Da sich die Baukörper stark aufwärmen und nachts kein richtiger Luftaustausch stattfinden kann, wird es besonders heiß. Hier sind Grünflächen und Wasserflächen in der Stadt gefragt. Dies steht zwar den Bestrebungen zur Stadt der kurzen Wege und der Nachverdichtung entgegen, aber im Falle von Hitzewellen kann das sehr sinnvoll sein. So sollten Altenheime oder Kindergärten nicht in den wärmsten Bereichen der Stadt, sondern eher in die Nähe von Grünflächen oder an den Stadtrand  verlegt werden. Zudem sollten Frischluftschneisen freigehalten oder nach Möglichkeit geschaffen werden. Fassadenbegrünung, Dachbegrünung und mehr Bäume in der Stadt können auch Abhilfe schaffen. Zudem kann in der Architektur und Stadtplanung einiges getan werden, um Verschattung und Kühlung von Wohnbereichen zu schaffen. Auch sollten Maßnahmen ergriffen werden, um der steigenden Feinstaubbelastung entgegenzuwirken, welche häufig bei Hitzewellen auftritt.

 

Neben Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes sollten vor allem auch Verhaltenstipps an die Bevölkerung gegeben werden. Wenig Bewegung, Aufhalten im Schatten, viel Trinken - das sind die selbstverständlichen Maßnahmen. Aber es gibt noch einige weitere Tipps. So sollte vor allem an ältere und sozial isolierte Menschen gedacht werden, welche eine besonders vulnerable Gruppe bei Hitzewellen sind. Diese sollten im Vorfeld Kontakte nach Außen auffrischen, die Badewanne volllaufen lassen und möglichst nur nachts und nicht tagsüber lüften. 2

 

 

Was sind die Szenarien für Hitzewellen in Europa?

 

Den gängigen Klimaszenarien zufolge, werden die wärmsten Tageshöchsttemperaturen bis zum Jahr 2090 um 1,5 bis 5,5, °C steigen (gegenüber 1990), wobei eher die höheren Werte realistisch sind, wenn man die Entwicklung der Treibhausgaskonzentrationen und der durchgeführten und geplanten Klimaschutzmaßnahmen betrachtet. Dies gilt auch für die Anzahl der Tropischen Nächte, welche laut den Szenarien bis 2090 um ca. 16 bis 54 Tage im Jahr (gegenüber 1990) zunehmen werden.

Für Zentraleuropa wird prognostiziert, dass die Temperaturen sich in den Sommermonaten im Vergleich zur Referenzperiode 1986-2005 folgendermaßen verändern:

- Bis zur Periode 2016 bis 2035 werden die Maximaltemperaturen durchschnittlich um 2,5 bis 2,8°C steigen

- Bis zur Periode 2046 bis 2065 werden die Maximaltemperaturen durchschnittlich um 3,3 bis 5,5°C steigen

- Bis zur Periode 2081 bis 2100 werden die Maximaltemperaturen durchschnittlich um 3,4 bis 8,5°C steigen 3

 

Die Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen nimmt mit steigenden Temperaturen zu. Ereignisse, die heute als extrem erscheinen, werden manchen Szenarien zufolge noch in diesem Jahrhundert die Regel sein. Während die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Mega-Hitzewellen wie der von 2003 oder 2010 im moderatesten Szenario für dieses Jahrhundert kaum steigt, können diese im stärksten Szenario die Regel sein. In letzterem werden zwischen 2020 und 2050 in großen Teilen Europas mindestens drei Hitzewellen prognostiziert, während für den Zeitraum zwischen 2086 und 2100 sogar 15 extreme Hitzewellen prognostiziert werden. 4

 

 

Können einzelne Hitzewellen auf den Klimawandel zurückgeführt werden?

 

In der Wissenschaft herrscht Uneinigkeit darüber, ob einzelne Hitzewellen auf den Klimawandel zurückgeführt werden können. Manche Wissenschaftler sagen, dass dies nicht ginge und man vielmehr Statistiken über einen längeren Zeitraum betrachten müsse, um den Zusammenhang herstellen zu können. So treten Hitzewellen auch ohne den Klimawandel auf, jedoch ist durch diesen eine Zunahme erkennbar. Man kann demnach also sagen, dass es statistisch wahrscheinlich ist, dass einzelne Hitzewellen auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Einige Autoren neuerer Studien schreiben, dass es inzwischen überzeugende Beweise dafür gebe, dass spezifische Extremwetterereignisse auf den Klimawandel zurückzuführen sind, wie z.B. die Hitzewellen 2003 und 2010, der Rekordsommer in Australien 2013 und einige Extremniederschlagsereignisse. Zudem seien 75 Prozent der moderaten Tages-Hitzeextreme an Land auf den Klimawandel zurückzuführen. 5

 

 

Was kann man dagegen tun, dass Hitzewellen in ihrer Frequenz, Dauer und Intensität zunehmen?

 

Da es so gut wie sicher ist, dass der Mensch der Haupttreiber des Klimawandels ist, können wir durch Treibhausgasreduzierung dagegen steuern. Effektive Maßnahmen sind beispielsweise:

 

- Ökostrom beziehen

 

- die alte Öl- oder Gasheizung durch eine Heizung mit Erneuerbaren Energien austauschen

 

- Wärmedämmung

 

- Fahrrad fahren, zu Fuß gehen, Bus&Bahn fahren

 

- wenn man ein Auto braucht: Hybridauto, Erdgasauto, Elektroauto oder sparsamen Diesel/Benziner fahren

 

- Flüge vermeiden

 

- saisonale und regionale Nahrungsmittel kaufen

 

- langlebigere Produkte kaufen

 

- effiziente Elektrogeräte und Leuchtmittel verwenden

 

- Recyclingpapier benutzen

 

Weitere Informationen:

1KOPPE, C., JENDRITZKY, G. U. G. PFAFF (2003): Die Auswirkungen der Hitzewelle 2003 auf die menschliche Gesundheit. In: Deutscher Wetterdienst (DWD) (2003): Klimastatusbericht 2003,
http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KU2/KU22/klimastatusbericht/einzelne__berichte /ksb2003__pdf/09__2003,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/09_2003.pdf, (letzter Aufruf: 31.03.2015).

http://www.bmub.bund.de/fileadmin/bmu-import/files/pdfs/allgemein/application/pdf/konferenzbericht_bf.pdf

2Umweltbundesamt (2013): Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel, http://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpassung-auf-bundesebene/deutsche-anpassungsstrategie (letzter Aufurf: 02.07.2015).

3 IPCC (2013): Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, 1535 pp. http://ipcc.ch/report/ar5/wg1/

4 RUSSO, S., DOSIO, A., GRAVERSEN, R.G., SILLMANN, J., CARRAO, H., DUNBAR, M.B., SINGLETON, A., MONTAGNA, P., BARBOLA, P. and. J.V. VOGT (2014): Magnitude of extreme heat waves in present climate and their projection in a warming world. In: Journal of Geophysical Research: Atmospheres, Vol. 119, pp. 12.500-12.512.

5FISCHER, E.M. und R. KNUTTI (2015): Anthropogenic contribution to global occurrence of heavy-precipitation and high-temperature extremes, In: Nature Climate Change, Advance Online Publication, http://nature.berkeley.edu/~sewolf/FLUXNET/NEW/Fischer-Knutti.2015.NatureCC.pdf, (letzter Abruf: 19.05.2015).

 

 

Bonn, Juli 2015