Autor: Stefan Baumeister

Stefan Baumeister is Doktorand in Corporate Environmental Management an der University of Jyvaskyla (Finland) und ein Gastwissenschaftler an der University of California, Los Angeles (UCLA), Institute of the Environment and Sustainability. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf grünem Konsumverhalten, eco-labelling und der Unterscheidung von Umweltprodukten. Stefan ist seit über acht Jahren ein Umweltaktivist bei Greenpeace und schon sein ganzes Leben lang ein Vegetarier.

 

 

Fleischkonsum und unsere Umwelt

„Cowspiracy“ – der Film, der die Welt verändern könnte

 

Letzte Woche besuchte ich eine Vorführung des Films „Cowspiracy“ am UCLA-Campus. Der Film hat mich abermals an die enormen Folgen des Fleischkonsums für unsere Umwelt erinnert. Die Dokumentation handelt über einen jungen Mann, der von Al Gore´s Film „Eine unbequeme Wahrheit“ inspiriert wurde. Er wollte herausfinden, was er selbst tun kann, um die Umweltauswirkungen seines Lebensstils zu reduzieren. Er kam wohl zu dem Schluss, dass kürzeres Duschen, weniger Heizen, mehr recyceln oder das Auto abschaffen nicht so viel Einfluss haben, wie der Verzicht auf Fleisch. Als ein passionierter Vegetarier von Kind an (ich hatte das Glück, so aufzuwachsen), wusste ich immer über die Umweltfolgen Bescheid und warum wir kein Fleisch essen sollten. Ich meine hier nicht die industrielle Tierhaltung, oder den Umgang mit den Tieren, sondern vielmehr den Beitrag der Viehzucht zum Klimawandel.

 

Man fragt sich vielleicht, was eine Kuh oder ein Huhn mit dem Klimawandel zu tun haben. Tatsächlich mehr, als viele Leute denken. Die Abbildungen, die im Film verwendet wurden (alle basieren auf belastbaren Quellen), waren sehr schockierend – sogar für mich. Laut dem Worldwatch Institute sind die Viehhaltung und deren Nebenprodukte für über 51 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Es wurde auch gesagt, dass die Tierhaltung mehr Treibhausgasemissionen als der gesamte Verkehrssektor zusammen (Straße, Schiene, Luft-, Schifffahrt) ausstößt. Während der Transportbereich große Mengen an CO2 ausstößt, ist die Viehhaltung ein großer Produzent von Methan, welches etwa 25 Mal so klimaschädlich ist wie CO2. Als wenn das nicht genug wäre, ist die Viehhaltung für 65 Prozent der Lachgas-Emissionen verantwortlich, welche etwa 296 Mal so klimaschädlich wie CO2 sind und für über 150 Jahre in der Atmosphäre verweilen können.

 

Während die Fleischproduktion im Film als einer der Hauptverursacher des Klimawandels angesehen wurde, wurde ein weiteres Problem genannt, welches auch die Menschheit bedroht: Sauberes Wasser und die Ernährungssicherheit. Wir kennen alle die Ernährungspyramide, aber wie viele von uns sind sich wirklich darüber im Klaren, wie viel pflanzenbasiertes Essen wird produzieren müssen, um die Tiere zu füttern, aus denen wir Fleisch produzieren? Die Zahlen, die in dem Film genannt wurden, sind erstaunlich. Mit einem Hektar Land können etwa 45 Tonnen pflanzenbasiertem Essen produziert werden, was ziemlich viel ist. Aber wenn man es nutzt, um Vieh zu ernähren, bekommen wir nur 170 Kilogramm Fleisch. Kein Wunder, dass es nicht genug Essen gibt, um sieben Milliarden Menschen auf unserem Planeten zu ernähren.

Sauberes Wasser ist eine der wichtigsten menschlichen Lebensgrundlagen und dennoch verschmutzen wir es in hohem Maß. Während unser Haushaltskonsum relativ moderat ist (Fünf Prozent des Süßwassers in den USA für private Haushalte), werden 55 Prozent  durch die Tierhaltung verbraucht. Genauer gesagt verbraucht ein Hamburger etwa 2500 Liter Wasser, das ist etwa so viel wie zwei Monate lang Duschen.

 

Ich denke, durch all das ist es an der Zeit, unser Konsumverhalten zu ändern. Und ich sage nicht, dass über Nacht alle Menschen Vegetarier werden sollen, aber überlege immer wenn du die Wahl hast, ob du wirklich Fleisch essen musst.  Fange vielleicht mit einem vegetarischen Tag pro Woche an, oder sei eine Woche lang Vegetarier. Vegetarier sein ist nicht nur eine Entscheidung, die dir einen gesünderen Lebensstil bietet, sondern es hilft dir auch, deine persönliche Umweltbilanz erheblich zu verbessern. Außerdem reden wir hier nicht nur über den Klimawandel, sondern auch über Themen der sozialen Gerechtigkeit. Denke daran, wann immer du etwas isst: Du kannst etwas verändern!

 

Los Angeles, März 2015

 

(übersetzt von Alexander Ehl)