Auf dem Land ohne Auto - Ein Praxistest

Autos tragen in erheblichem Maße zum Klimawandel und zur Luftverschmutzung bei. Andererseits heißt es immer, dass man auf dem Land nicht ohne Auto auskommt. Ich habe den Praxistest gemacht. Und zwar nicht nur vier Monate lang im Berufsleben, sondern auch schon vorher, da in meiner Familie über lange Zeit niemand ein Auto hatte. Mein Fazit: Je nachdem, wo man wohnt und arbeitet, was man für Außentermine hat und wie man seine Freizeit gestaltet, kann man auch im ländlichen Raum gut ohne Auto auskommen. Man muss aber sagen, dass es sich in Hamminkeln nur zum Teil um den „ländlichen Raum“ handelt, da die Lage zwischen zwei größeren Mittelstädten und die Nähe zum Ruhrgebiet viele Vorteile hat.


 Radfahrer in Hamminkeln

Foto: Martin Wozniak


Da ich im Ortskern von Hamminkeln gearbeitet und auf halbem Weg zwischen Hamminkeln und Wesel gewohnt habe, brauchte ich kein Auto, um zur Arbeit zu kommen. Denn die Busse fuhren stündlich – genau genommen fuhren werktags zu den Kernzeiten sogar zwei Busse und eine Regionalbahn. Einkaufen fahren konnte ich mit dem Fahrrad, da ich mit zwei großen Fahrradtaschen und einem Rucksack alles transportieren konnte, was zwei Personen so brauchen. Nur beim Transport der Getränke gab es ab und zu Unterstützung von Bekannten. An den Wochenenden bin ich häufig mit der Bahn nach Bonn zu meiner Freundin gefahren oder gelegentlich mit dem Fernbus oder der Bahn nach Berlin. Dienstliche Termine habe ich häufig mit Bus & Bahn, per Mitfahrgelegenheit oder gelegentlich mit dem Fahrrad oder dem Dienstauto gemeistert. Die Fahrten mit dem Dienstauto oder per Mitfahrgelegenheit hätte ich aber mit höherem zeitlichem Aufwand auch ohne Auto erledigen können. Auch Städtereisen nach Stockholm oder Budapest habe ich mit Fernzügen recht unkompliziert machen können. Zum Sport bin ich immer mit dem Fahrrad gefahren. 


 Linienbus in Hamminkeln


Später arbeitete ich nicht nur im Ortskern von Hamminkeln, sondern ich wohnte auch dort. Daher konnte ich zu Fuß zur Arbeit gehen, zu Fuß einkaufen gehen und auch ansonsten viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen. Im Vorfeld meines Umzugs habe ich mehrmals Carsharing-Autos genutzt, wobei es mir dabei eher darum ging, dass ich das neue Carsharing-Angebot mal ausprobiere. Mit dem Bus oder Fahrrad hätte das auch funktioniert.

Etwa alle zwei bis drei Wochen hätte ich aber doch ganz gut ein Auto gebrauchen können. Wenn die Busverbindung so umständlich war, dass man zu einem dienstlichen Termin gut zwei Stunden mit dem Bus fährt, anstatt eine dreiviertel Stunde mit dem Auto, dann nutzt man die Arbeitszeit nicht effektiv. Wenn man etwas Größeres transportieren muss und kurzfristig die Mitfahrgelegenheit abspringt, hat man auch ein Problem. Insgesamt hat der Praxistest aber ganz gut funktioniert. Und ich habe eine Menge Geld gespart, denn die Vollkosten für ein Auto wären wesentlich höher gewesen, als meine Monatskarte und die anderen Bahntickets.


 Gelenkbus am Hamminkelner Rathaus




Hamminkeln, Dezember 2015